Was macht der Schweigefuchs in Wacken?

Ja, die gute alte Zeit. Keine Angst, ich schwadroniere jetzt nicht von gestern, das können andere besser als ich. Aber gestern war wieder so ein Tag, das muss ich einfach teilen.

Mein Schwager Ralf kam vorbei und wie es sich ergibt, haben wir’s von Wacken 2015. Und gucken uns Dee Snider (jo, der von Twisted Sister) auf Youtube an. Live-Mitschnitt von Wacken. Richtig lustig wird es aber, als unsere Jüngste sich das Ganze ansieht und kommentiert.

„Der sieht aus wie seine Frau“ ist da erst der Einstieg. Aber als sie mutmaßt, dass die Leute im Publikum den Schweigefuchs machen, weil er nicht so schreien soll. Da war’s vorbei 😀

Hat wohl einen guten Grund, warum meine langen Haare schon seit Jahren ab sind … trotzdem schön, dass „We’re Not Gonna Take It“ immer noch ein Ohrwurm ist, und das bei allen Familienmitgliedern …

Veröffentlicht unter Allgemein | Comments

Wo du auch bist

In dieser Woche ist „Wo du auch bist“ bei Amazon Publishing erschienen – Kerstins erster Psychothriller, der uns schon beim Schreiben die ein oder andere schlaflose Nacht bereitet hat 🙂

Die Historikerin Sonja ist auf der Flucht. Vor ihrem alten Leben und ihrem gewalttätigen Mann Kai. Mit Hilfe eines alten Freundes reist sie in die Beelitz-Heilstätten südlich von Berlin, um dort als Archivarin ein neues Leben anzufangen. Sie schöpft neue Hoffnung, als sie den Fotografen Jan kennenlernt. Doch mit jedem Tag werden ihr die Ruinen der ehemaligen Lungenheilanstalt unheimlicher. Um sie herum werden die Schatten tiefer und die Tage dunkler. Sonja fühlt sich beobachtet. Weil sie weiß, dass jemand sie verfolgt. Jemand, der sie gut zu kennen scheint … aber kann sie ihrem Verstand noch trauen?

Hier geht’s zum Trailer:

Wo du auch bist gibt es für den Kindle und auch traditionell auf Papier, und zwar hier.

Veröffentlicht unter Allgemein, Bibliographie | Comments

Impressum

Angaben gemäß § 5 TMG und verantwortlich für den Inhalt nach § 55 Abs. 2 RStV

Volker Bätz
Dorfstr. 23
97285 Röttingen

Kontakt
0171/2741013
admin@volker-baetz.com

Vertreten durch:
Kerstin Bätz
Volker Bätz

Haftungsausschluss:
Der Webseiten-Betreiber übernimmt keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen. Haftungsansprüche gegen den Betreiber, welche sich auf Schäden materieller oder ideeller Art beziehen, die durch die Nutzung oder Nichtnutzung der dargebotenen Informationen bzw. durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Informationen verursacht wurden, sind grundsätzlich ausgeschlossen, sofern seitens des Betreibers kein nachweislich vorsätzliches oder grob fahrlässiges Verschulden vorliegt. Alle Angebote sind freibleibend und unverbindlich. Der Betreiber behält es sich ausdrücklich vor, Teile der Seiten oder das gesamte Angebot ohne gesonderte Ankündigung zu verändern, zu ergänzen, zu löschen oder die Veröffentlichung zeitweise oder endgültig einzustellen.

Bei direkten oder indirekten Verweisen auf fremde Webseiten („Hyperlinks“), die außerhalb des Verantwortungsbereiches des Betreibers liegen, würde eine Haftungsverpflichtung ausschließlich in dem Fall in Kraft treten, in dem der Betreiber von den Inhalten Kenntnis hat und es ihm technisch möglich und zumutbar wäre, die Nutzung im Falle rechtswidriger Inhalte zu verhindern. Der Betreiber erklärt hiermit ausdrücklich, dass zum Zeitpunkt der Linksetzung keine illegalen Inhalte auf den zu verlinkenden Seiten erkennbar waren. Auf die aktuelle und zukünftige Gestaltung, die Inhalte oder die Urheberschaft der verlinkten/verknüpften Seiten hat der Betreiber keinerlei Einfluss. Deshalb distanziert er sich hiermit ausdrücklich von allen Inhalten aller verlinkten/verknüpften Seiten, die nach der Linksetzung verändert wurden. Diese Feststellung gilt für alle innerhalb des eigenen Internetangebots gesetzten Links und Verweise. Für illegale, fehlerhafte oder unvollständige Inhalte und insbesondere für Schäden, die aus der Nutzung oder Nichtnutzung solcherart dargebotener Informationen entstehen, haftet allein der Anbieter der Seite, auf welche verwiesen wurde, nicht derjenige, der über Links auf die jeweilige Veröffentlichung lediglich verweist. Sofern innerhalb des Internetangebots die Möglichkeit zur Eingabe persönlicher oder geschäftlicher Daten (E-Mailadressen, Namen, Anschriften) besteht, erfolgt die Preisgabe dieser Daten seitens des Nutzers auf ausdrücklich freiwilliger Basis. Die Inanspruchnahme und Bezahlung aller angebotenen Dienste ist – soweit technisch möglich und zumutbar – auch ohne Angabe solcher Daten bzw. unter Angabe anonymisierter Daten oder eines Pseudonyms gestattet. Die Nutzung der im Rahmen des Impressums oder vergleichbarer Angaben veröffentlichten Kontaktdaten wie Postanschriften, Telefon- und Faxnummern sowie E-Mailadressen durch Dritte zur Übersendung von nicht ausdrücklich angeforderten Informationen ist nicht gestattet. Rechtliche Schritte gegen die Versender von sogenannten Spam-Mails bei Verstößen gegen dieses Verbot sind ausdrücklich vorbehalten.

Veröffentlicht unter Impressum | Comments

I do, I do

Anlässlich der Aufführung von „I do, I do“ am 14. August bei den Frankenfestspielen hatte ich Gelegenheit für ein kurzes Interview mit den Darstellern Katharina Lochmann und Dennis Kozeluh:

Volker:
Ihr seid ja beide schon etliche Male auf der Röttinger Bühne gestanden.
Mit „I do, I do“ verhält es sich aber ein bisschen anders als mit anderen
Stücken der Frankenfestspiele. Worum geht es bei „I do, I do“?

Katharina und Dennis:
Zum ersten Mal wird hier in Röttingen ein zwei-Personen Musical
aufgeführt, und genau das ist *I do! I do! (Das Musikalische Himmelbett)*:
Ein vollwertiges Musical mit allem was dazu gehört–packende Dialogszenen
mit schönen Liedern, gesungen, getanzt und unterstützt von 2 hervorragenden
Musikern die uns live begleiten und inspirieren.

Volker:
Worauf können sich die Röttinger Zuschauer freuen?

Katharina und Dennis:
Hier wird eine einfache Liebesgeschichte erzählt…die Geschichte einer
50-jährigen Ehe (also vielleicht doch nicht so einfach!). Im Laufe des
Abends wird jeder Zuschauer der sich jemals in einer Beziehung befand
mehrere heikle Situationen wiedererkennen, und mit uns lachen, weinen und
hoffen.
Es war uns ein Anliegen, nach 6 erfolgreich ausverkauften Vorstellungen in
Wien, das entzückende Stück auch in Röttingen zu zeigen, denn hier ist die
Idee dieser Zusammenarbeit geboren. Katharina und ich haben ein Duett aus *I
do! I do!* beim Gala Konzert hier letztes Jahr gesungen, wo es ausnehmend
gut ankam. Ermutigt von Kollegen und auch von Helmut Mühlbacher, der für
das Bühnenbild bei den Festspielen seit 20 Jahren
verantwortlich zeichnet, entschieden wir uns das Stück in voller Länge
einzustudieren und aufzuführen. Da alle Mitwirkende heuer wieder in
Röttingen spielen, stand unserem Wunsch, *I do! I do!* auch mit den
Röttingern zu teilen, nichts im Wege.

Volker:
Das Musical „I do, I do“ von Jones und Schmidt wurde 1966 am Broadway
uraufgeführt. Handelt es sich bei dieser Inszenierung um eine
originalgetreue Umsetzung oder eher um eine Adaption?

Katharina und Dennis:
Statt um die Jahrhundertwende herum zu beginnen, wie im Original, haben
wir uns entschieden, das Stück um 50 Jahre nach vorne zu katapultieren. Wir
fangen bei unserer Hochzeit im Jahr 1958 an und enden in der heutigen Zeit.
Das bedurfte einiger weniger Eingriffe im Text, aber die Höhen und Tiefen
einer 50-jährigen Ehe sind größtenteils universeller Natur, und jeder der das
Stück kennt und liebt in seiner ursprünglichen Version wird bestimmt von
den kleinen Veränderungen hier nicht enttäuscht sein.
Zusätzlich hat unser musikalischer Leiter, Walter Lochmann, eigens ein
Arrangement für Flöte und Klavier geschrieben. Diese Fassung wird man nur
bei uns hören können,

Volker:
Was ist das Besondere bei dieser Art der Zusammenarbeit in einem
solchen „Familienprojekt“?

Katharina und Dennis:
Der Vorteil, sich lange und gut zu kennen ist unbeschreiblich groß. Ich
(Katharina) und meine Schwester Christine musizieren schon seit unserer
Kindheit mit unserem Papa. Auch Dennis und Walter haben über 25 Jahren in
Wien musikalisch zusammen gearbeitet sowohl bei großen Produktionen wie *Das
Phantom der Oper* oder *Elisabeth* als auch bei intimeren Theaterprojekten
wie *Strizzis und Mizzis* oder *Musical Mamis*. Somit können sich bei
unserer Produktion familiäre Verbindungen, freundschaftliche Erfahrungen
und langjähriger musikalischer Background zusammenfügen in einer Art
blindem Vertrauen, und gemeinsames, präzises und instinktives Musizieren.

Wir freuen uns, dass das Interesse schon jetzt so groß ist, dass wir nicht
mehr wie ursprünglich geplant im Gewölbekeller, sondern in der Burghalle in
Röttingen spielen werden.
Termin ist der 14. August, 2014 (der 15. ist ein Feiertag!) um 20h30.
Karten bekommt man bei der Tourist-Information Röttingen, Marktplatz 1
97285 Röttingen, Tel. 09338 9728-55, -57, und -59

Veröffentlicht unter Allgemein | Comments

Premiere: Wiener Blut

Premiere: Wiener Blut

Man kann es ihm schon ein bisschen nachfühlen, dem Grafen Ypsheim. Oder ‚a bisserl‘, wie der Wiener sagt. Der arme Graf (gespielt von einem prächtig aufgelegten Paul Schmitzberger) kommt aus dem wohlgeordneten Reuß-Kreiz-Schleiz in die Donaumetropole und wird dort mit der Wiener Lebensart konfrontiert. Dabei will er doch einfach nur bei seinem Untergebenen, dem Grafen Balduin, nach dem rechten sehen. Nur dass der sich mittlerweile an die lockere Lebensart angepasst hat.

„In Wien da wird ma automatisch zum Schlawiner“, sagt Balduin und das stimmt wohl. Es versteht sich von selbst, dass da kein Auge trocken bleibt. Die Operette spielt vor dem historischen Hintergrund des Wiener Kongresses. Vor 200 Jahren wurde Europa neu geordnet, nach dem Unwetter „Napoleon“ bedeutete dies eine epochale Veränderung unserer Heimat. Gerade für Franken hat dieses Treffen eine große Bedeutung, kam es doch damals zum Königreich Bayern. Doch das dient dem Lustspiel „Wiener Blut“ lediglich als Kulisse. Bei den Frankenfestspielen wurde die Operette von Johann Strauß unter der Regie von Pavel Fieber, einem Urgestein des deutschsprachigen Theaters, umgesetzt (der folgende Klick ist es wert: hier). Schon bei der vorangegangenen Matinée hat es sich Fieber nicht nehmen lassen, seinem Publikum die Entstehungsgeschichte und Besonderheiten des Stückes näherzubringen. Denn es steht ganz im Zeichen der österreichisch-deutschen Völkerverständigung. Wer da wem Nachhilfe gibt, das sei mal dahingestellt. Heißt es im Stück denn nicht auch, was die Österreicher und die Deutschen trennt ist ja bekanntlich die gemeinsame Sprache?

Die Premiere beginnt, wie Freilichttheater beginnen sollten. Die Bühne steht unter dem Zeichen des Doppeladlers, ganz im Stil der K+K-Monarchie. Die Aufbauten wirken frei und luftig. Anders als in den Aufführungen, die ich bisher in Röttingen erlebt habe, ist das Kammerorchester unter einer Gitterpergola untergebracht, direkt auf der Bühne. Gerade die Musik spielt an diesem Abend eine Sonderrolle, doch darauf werde ich später noch eingehen.

Ein buntes Vorspiel zeigt Theaterhektik, scheint die Grenzen zwischen heute und damals aufzulösen, nicht ohne Seitenhiebe auf die Moderne – das Handy ist immer präsent. Bis Katharina Lochmann in ihrer Rolle als „Pepi“ auf die Bühne tritt. Sie gibt sich gutgelaunt und kokett, was einer stimmigen Einleitung des Stückes entspricht. Max Buchleitner kommt hinzu. Er spielt Joseph, den Freund der Pepi, mit einer gehörigen Portion Mutterwitz, Gleichmut und Gewitztheit. Joseph ist sowohl Diener als auch Narr für den Grafen Balduin, kraftvoll auf die Bühne gebracht durch den in Röttingen schon bekannten Anton Graner, einer der Hauptakteure des Verwirrspiels. Das bunte Treiben nimmt schnell seinen Lauf, angefeuert durch ein Kleid, das der Geliebten des Grafen Balduin, gespielt durch die Allgäuer Newcomerin Andrea Jörg, nicht recht passen will. Der Graf verstrickt sich mehr und mehr in seine eigenen Lügenmärchen. das Ganze wirkt gelöst und spielerisch, so als amüsierte sich nicht nur das Publikum.

Einer der vielen Höhepunkte ist hierbei sicherlich das Duett des Grafenpaares, das titelgebende „Wiener Blut“. Die Dynamik offenbart sich voll im Spiel, ist auf den Punkt arrangiert. Ein völlig anders geartetes Duett ist das von Joseph und Pepi. Den lebensfrohen Charakteren entsprechend zeigt sich ihre Lebendigkeit in jedem Schritt, jedem Ton und jeder Pose. Bemerkenswert ist ebenso die schwangere Anna (dargestellt von der gleichfalls schwangeren Frederike Faust), die eigens in das Stück „hineingeschrieben“ wurde. Im Auftreten ist sie burschikos, hat das Herz auf der Zunge, und trägt dabei ein Lied von Nestroy vor. „Männer ham’s guat“ singt sie da und bizarrerweise hat sich da seit zwei Jahrhunderten wenig geändert, selbst in unserer digitalen Welt.

Martin Berger ist in der Rolle des Karussellbesitzers Cagliari zu sehen. „Solang ma ned a reicher Mann ist wird mer nie a Geld ham“, sagt er und bringt damit unser verzweifeltes ökonomisches Streben auf den Punkt – wie aktuelle Studien ja beweisen. Ebenfalls beweist sich hier wieder einmal Bergers Wandlungsfähigkeit, auf dessen Auftritt ich mich jedes Mal freue. Beim Wiener Blut singt er für uns etwas von Nestroy: “Das Glück is a Vogerl“ Das ist passend in Szene gesetzt, die Flöte trillert dazu wie um dies zu unterstreichen, Streicher führen die Melodie und das Horn wirkt dabei wie ein Echo.

Erwähnenswert ist an dieser Stelle ebenfalls das e-Ensemble. Ihre Auftritte sind professionell und zeigen die große Bandbreite an Tanz und Gesang, welche die nebenberuflichen Darsteller zum Besten geben. Die regionalen Künstler sind weit mehr als nur eine lebendige Kulisse aus Statisten.

Abschließen möchte ich mit den musikalischen Eindrücken. Die Positionierung des Kammerorchesters auf der Bühne ist ein ausgesprochen cleverer Schachzug, der die Elemente Schauspiel und Musik auf besondere Art verbindet. Der persönliche Eindruck von synergetischem Wachstum entsteht, wenn beide Grundelemente ineinander greifen. Denn die Leistungen sind so gut orchestriert, dass Platz bleibt für die Gesamtwirkung. Zu keiner Zeit herrscht einseitige Dominanz, alles wirkt wunderbar abgestimmt zwischen Schauspiel, Musik und Tanz. Dadurch entsteht ein Schwung, welcher die Zuschauer aufs Beste unterhält. Die Klaviermusik ist dezent, die Streicher sauber herausgearbeitet, dazwischen kommt klar die Flöte zur Geltung. Das wirkt leicht, weil gekonnt, und perfekt abgestimmt mit dem Gesang und der Choreografie. Das verdeutlicht niemand so gut wie der Kapellmeister selbst – Walter Lochmann dirigiert mit Rechts, geht völlig auf in seinen Melodien, greift spielerisch mit Links in die Tasten.

Diese Publikumsnähe zeichnet für mich Wiener Blut bei den Frankenfestspielen aus. Bei gleichbleibend hoher Tonqualität bieten die schwungvollen Darsteller ihrem Publikum Unterhaltung pur. Und das für Jung und Alt.

Veröffentlicht unter Allgemein | Comments

Über uns

Eine Geschichte ist eine Geschichte. Nicht mehr.

Wir, Kerstin und Volker Bätz, sind eigentlich wie viele andere glücklich verheiratete Paare. Tagsüber versuchen wir uns am Spagat zwischen Kindern, Beruf und Haushalt. Also all dem, was den Alltag so spielerisch füllt und einem manchmal kaum Zeit zum Luftholen lässt.

So ein Alltag ist voller Geschichten…

Unser Leben ist demnach ziemlich erfüllt. Trotzdem ist da noch Platz für Kreativität und Fantasie. Der ländliche Würzburger Raum, wo wir aufgewachsen sind und immer noch leben, ist geprägt von seiner ureigenen Vergangenheit voller düsterer und bisweilen eigenartiger Traditionen. Warum laufen die Männer unseres Wohnortes abwechselnd während der Sonntagskirche mit einer Hellebarde Patroullie? Welche Sagen ranken sich um die nahen Keltengräber? Und kann man tatsächlich in der Nacht im nahen Wald dem Leibhaftigen begegnen?

Auch das sind Geschichten und Geschichten wollen vor allem eines – erzählt werden.

Da ist es wohl kein Wunder, dass wir uns dem „Erzählen“ verschrieben haben in all seinen Formen. Ganz egal ob lustig, düster, romantisch oder skurill, der Spass an der Erzählung steht dabei immer im Vordergrund. Dass Volkers Perspektive eher spannend und schaurig ist, Kerstins Sicht dagegen romantisch und lebensfroh, schafft wohl unseren eigenen narrativen Stil.

Für die besondere Geschichten, die wir einfach teilen müssen.

Veröffentlicht unter Wer sind wir? | Comments

Premiere: Der Kaufmann von Venedig

So still und in sich ruhend, wie Shylock auf die Bühne tritt, das wiegt den Zuschauer beinahe in Sicherheit. In der Inszenierung von Joerg Steve Mohr ist es der Jude, der den achtlos weggeworfenen Müll vom Boden aufliest (in Form von grellgrünen „Dukatenscheinen“). Er macht die mühsame Schmutzarbeit der Gesellschaft.

Dem gegenüber zelebrieren die christlichen Charaktere Venedigs eine ausgelassene EGO-zentrierte Rave-Party. Stets unter dem Motto der „Egolution“. Der Titelheld des Stückes, Antonio, duldet all dies und unterstützt es. Auch wenn es zugeht wie auf einem zeitgenössischen Finanzmarkt – ein ekstatisches Leben in Saus und Braus auf Pump, denn einer wird am Ende die Zeche zahlen. Hier ist es Antonio. Oder doch der allein arbeitende Shylock? Der ist zwar noch immer Teil der Szenerie, in seiner einsamen Position scheint er dennoch isoliert.

Im Verlauf des Stückes wird diese Allegorie auf unsere „moderne“ Gesellschaft immer wieder deutlich, bisweilen so sehr, dass einem das Lachen im Halse steckenbleibt. Wenn etwa Portia als Bachelorette auf der Leinwand erscheint und unserer niveaubefreiten Mediengesellschaft den Spiegel vorhält. Konsequenterweise wirken – zumindest auf mich – die Gefühle zwischen Bassanio und Portia vorgetäuscht und falsch. Als wären sie dem Drehbuch einer Dokusoap („eben der Bachelorette“) entnommen. All dies schafft Raum für die existenzielle Leidenschaft des Stückes, den Konflikt zwischen Antonio und Shylock. Beide werden durch grandiose Darsteller verkörpert – Michael Hecht und Hartmut Lehnert. Die beiden Künstler tragen ihren Streit konsequent aus, in kleinen Gesten (Gummibärchen!) ebenso wie in großer Dramatik (etwa in Shylocks berühmtem Monolog).

Interessant die Anspielungen auf unsere Gesellschaft mit Hilfe der Tiermasken, die allesamt rückgeführt werden können auf das Shakespeare’sche Pythagoras-Zitat:

„To hold opinion with Pythagoras
That souls of animals infuse themselves
Into the trunks of men.

Maskiert und teils in grauen Anzügen versteckt ist niemand mehr Individuum, sondern nur noch Teil des Ganzen. Vorbei menschliche Philosophie und Sozialethos, der moderne Mensch reduziert sich auf seine ökonomischen Instinkte.

Allein die in Schlüsselszenen im Hintergrund auftauchenden pochenden Herzschläge oder die finster-subtil erklingenden Tonfolgen von Silent Hill Shattered Memories. Vor Gericht wird die Klimax voll ausgespielt vor dem Hintergrundblind einer Justizia, die zwar Schwert und Waage besitzt, aber keine Augenbinde. Demnach ist die Justiz weder blind, noch betrachtet sie alle gleich? Shylock steht  im dunklen Anzug wie ein Totengräber da, während die Freunde um Antonio grau-weiß gekleidet sind. Dass dem Ankläger ebendies Erkennungsmerkmal genommen wird und er am Ende wie ein Stück Fleisch behandelt wird, als Teil dessen, was die Wegwerfgesellschaft hinterlässt, erzeugt zu Recht Betroffenheit.

Dies alles macht den „Kaufmann von Venedig“ bei den Frankenfestspielen zu einer modernen Adaption des bekannten Klassikers, die auf alle Fälle sehenswert ist. Entscheidend ist jedoch, sich darauf einzulassen und das Stück in seiner Gesamtheit auf sich wirken zu lassen.

Veröffentlicht unter Allgemein | Comments

Premiere: Der Graf von Monte Christo (Teil 2)

Mit dem Übergang vom ersten in den zweiten Akt erfolgt ein grundlegender Wechsel des Stückes. Die Geschichte wird transformiert von der napoleonischen Ära in die Moderne. Dieser Zeitsprung erfolgt jedoch alles andere als abrupt – er wird in vorangegangenen Szenen bereits angedeutet (etwa durch die Whiskey-Fässer, die Teil des Schatzes von Monte Christo sind und in Zeiten der Prohibition durchaus ein „Schatz“ sein konnten). Der zweite Akt findet nicht nur die äußere Darstellung verändert vor. Auch de Charaktere haben sich verändert. Eigentlich alle sind in der ein oder anderen Form gefangen und so bildet Mercedes (wundervoll emotional Ann Mandrella) keine Ausnahme. Doch ihr Kerker ist ein Salon. Sie denkt an den vermeintlich toten Edmond, der sich unverhofft der Kulisse nähert, dann tritt sie ab. So wird mit den Sehnsüchten der beiden Trauernden gespielt, bis es sich in einem Duett auf den Säulen gipfelt, wo einst Mondego und Danglars lauerten. Immer wieder wird die Trennung der beiden Liebenden verdeutlicht. Dieses Spiel gipfelt in einem Duett vor der Bildwand, Mercedes davor stehend, Edmond im Bild. So wird die Entfremdung der beiden schmerzhaft klar, die sich einerseits nah sind und doch entfernt.

Die Symbolik des „Grafen“ spiegelt diese Entwicklung. Angefangen mit der besonderen Dynamik des Bühnenbildes, welche die des letztjährigen Dracula noch übertrumpft mit den versteckte Luken, dem geheimen Gang, der in Verstärkung mit dem Bildschirm die klaustrophobische Aufnahme des Fluchttunnels einzufangen vermag und den stets stimmungsvollen Bildschirmwechseln.

Oder die silbernen Koffer, die mal finanziell, mal physisch den Tod (in Form von Duellwaffen) bringen können. Ein zeitgerechter Fingerzeig auf Finanzmarktkrisen und Gier, in der das Geld mächtiger ist als das Schwert. Hier zeigt sogar ein Erzschurke wie Anton Graners Danglars Gefühle, seine kalte Boshaftigkeit wird zur offenen Gier beim Anblick des Geldkoffers.

Die besondere Natur des Freilichttheaters ist einer der letzten Punkte, die ich ansprechen möchte. Wenn Valentine den „schönen Schein“ besingt oder Mercedes „All die Zeit“, dann wirkt die besondere Reminiszenz des Nachthimmels, an dem sich vereinzelt Sterne abzeichnen wie eine stille Choreografie. Ebenso die (natürlich zufällig) über unseren Köpfen dahinziehenden Vögel, die dem Gefangenen auf der Bühne durch ihre Freiheit zu verhöhnen scheinen. Dass aber auch die Neunuhrglocken von Röttingen so punktgenau ertönen, als bildeten sie ein Echo auf die Liedzeile „jeder Tag ein kleiner Tod“, das ist mehr als nur ein bisschen stimmungsvoll. Und machen den Besuch des „Grafen“ zu etwas Besonderem.

Kommen wir zurück zur eingangs aufgeworfenen Frage – hat diese Adaption funktioniert? Und ob.

Anders als im Dumas-Original mit seiner Vielzahl an Charakteren ist es bei einer Bühnenadaption natürlich nötig, zu reduzieren und zu interpretieren. Schön zu sehen, wie das Thema um Recht und Gefangenschaft auch hier fortgeführt wird. Denn nahezu alle beteiligten Figuren sind gefangen, nur eben auf unterschiedliche Art und Weise. So stellt zum Beispiel Albert (glaubhaft gespielt von Max Buchleitner) auch nur einen Gefangenen dar, der seiner Abkunft nicht entkommen kann. Warum sonst würde er sich zitternd dem Duell im Wald stellen? Genauso Leah Delos Santos als Valentine Villefort, deren emotionales Solo im wachsenden Bühnenlicht sie zur Symbolfigur des Leides macht, das die Rache hervorbringt. In meinen Augen ist es einzig die anarchistische Luisa Vampa, die frei ist.

Die Inszenierung offenbart eine klare dramaturgische Struktur, die dieses Stück zu etwas Neuem macht. Damit wird die tausendfache Wiederholung der Mantel-und-Degengeschichte hin zur kernhaften dramatischen Entwicklung reduziert. Diese Zeitlosigkeit verdeutlicht die aktuelle Bedeutung des Stoffes. Denn, wann ist eine Geschichte besonders relevant? Wenn sie auch heute passieren kann, im Hier und Jetzt. Die Wahl der Roaring Twenties mit all den Umtrieben aus der Prohibition als optische Kulisse funktioniert – denn die sprichwörtliche sizilianische Rache wirkt gerade bei Monte Christo als Alliteration des Themas.

Schließen möchte ich meine Ausführungen mit Worten von Oscar Wilde. „In Wahrheit spiegelt die Kunst den Betrachter, nicht das Leben.“ Insofern ist das, was ich bei der Premiere erleben durfte, genau das.

Bühnenkunst.

Fotograf: Gerhard Meißner

Veröffentlicht unter Allgemein | Comments

Premiere: Der Graf von Monte Christo (Teil 1)

Attendre et espérer! Harren und Hoffen! Mit diesen Worten endet das weltberühmte literarische Werk von Alexandre Dumas (dem Älteren), das in der vollständigen deutschen Übersetzung um die 1.500 Seiten umfasst. Der Graf von Monte Christo ist mit vollem Recht ein historisches Epos, das auf den ersten Blick als Spiegel seiner Zeit gesehen werden mag. Bei genauerem Hinsehen jedoch entpuppt sich „der Graf“ als umfassende Abhandlung über die Philosophie der Gerechtigkeit. Was ist recht? Was ist gerecht?

Diese Frage beschäftigt die Menschen noch immer, wie die Entwicklungen um Michail Chodorkowski oder Abu Ghuraib – um nur zwei wahlfreie Stichworte zu nennen – leider belegen können.

Was dies mit den Frankenfestspielen zu tun hat?

Ich durfte dort in reizender Begleitung die Premiere des Musicals „der Graf von Monte Christo“ von Frank Wildhorn und Jack Murphy erleben. Aber kann das funktionieren? Eine etwa zweieinhalbstündige musikalische Adaption eines so umfassenden Werkes das ursprünglich als Fortsetzungsroman konzipiert wurde?

Lassen wir diese Frage noch ein bisschen unbeantwortet und widmen uns dem, was in meinen Augen die Aufführungen des Intendantenteams Sascha O. Bauer und Walter Lochmann auszeichnet – die Details.

Beginnend mit dem Bühnenbild, das bei einem Freilichttheater eigentlich immer den ersten Eindruck vorgibt, steigt der Besucher unmittelbar in Stimmung und Spannung ein. Helmut Mühlbacher hat auch diesmal eine atmosphärische Bühne erschaffen, die den Geist der Vorlage einzufangen vermag. Eine Landschaft aus grob gefügtem Mauerwerk und wuchtigen Säulen fügt sich hervorragend in den Hof der Burg Brattenstein ein und bereitet auf die Geschichte vor. Aber etwas hat sich verändert. In die Aufbauten fügt sich eine Leinwand als Stilelement ein, die ein synergetisches Eigenleben entwickelt, atmosphärisch eingreift und später auch Teil von Handlung und Dialog wird. Gemeinsam mit der dezent abgestimmten Beleuchtung ein echtes Highlight.

Die richtigen Voraussetzungen also für dieses Stück, das im Prolog stimmungsvoll mit schwarzen Gestalten aufwartet und dem bewegenden „Fiat Justitia“. Düster drohend klingt das und öffnet folgerichtig das Publikum und seine Erwartungshaltung für das kommende Drama. Die danach eher mit Heiterkeit aufwartende Szene um das Liebespaar Edmond und Mercedes und ihr Glück steht damit unter einem finsteren Vorzeichen. Die beiden sind so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass ihnen das sepiafarbene Schreiben, das bedeutungsschwer von Hand zu Hand gereicht wird, nicht auffällt. Edmond hat nur Augen für Mercedes und steckt diesen Brief gedankenverloren ein.

Es zeigt sich, dass diese Stimmungswechsel präzise abgestimmt sind zwischen Bühnenbild, Schauspiel, Kostümen und natürlich Musik. Die unbeschwert klingende Flöte trillert verspielt, offenbart die Leichtigkeit, die das Leben bisweilen bereithält. Das lässt einen fast die dunklen Ahnungen vergessen, bis das Schicksal dann zuschlägt. Denn auf den zentralen Säulen, in unmittelbarer Nähe zum bereits erwähnten Bildschirm, hocken die beiden Verschwörer Danglars und Mondego wie lauernde Krähen, drohend und gierig, neidzerfressen.

Da trägt die Intrige Früchte. Die Spannung steigt, als Edmond seinem Richter vorgeführt wird – dem scharfäugigen und im Grunde gerechten Villefort. Bis ihm klar wird, dass das Recht ihm selbst schaden wird. Einmal mehr bewahrheitet sich der alte Spruch „auf See und vor Gericht bist du in Gottes Hand!“ Einmal mehr wird die verstärkende Wirkung der Bildtechnik demonstriert – die Projektion zeigt einen langen Saal mit schwarzem Kreuz, symbolisiert damit Entscheidungsschwere und Strenge. Hier spielt der Hauptdarsteller Yngve Gasoy Romdal sein volles schauspielerisches Potenzial aus. Mit großen Augen verfolgt er die Geschehnisse, macht nicht nur Villefort glaubhaft, dass er etwas naiv sein mag, aber unschuldig. Bis er fassungslos erkennen muss, dass hier sein Schicksal besiegelt wird.

Soviel zu den ersten Szenen des Zweiakters. Im Folgenden werde ich nur noch auf Schlüsselszenen und –elemente eingehen, um nicht zu viel von der Geschichte und ihren Geschehnissen zu verraten.

Der Triumph der Verschwörer gipfelt in einer Saunaszene, bei der die drei Schurken Danglars, Villefort und Mondego ihr gemeines „Geschichte“ zum Besten geben. Gerade die luxuriöse Beiläufigkeit der Szenerie, bei der sie ihre Lebensart offen zur Schau stellen, während Edmond ins tiefste Elend stürzt, macht betroffen. Im Hintergrund läuft die Uhr, während der Gefangene zum Warten verdammt ist.

Wundervoll auch das „Niemals allein“, ein bewegendes Duett von Edmond und Mercedes, das ihren geteilten Schmerz trotz der Trennung greifbar macht. Am Ende sind Edmond und Mercedes weiter voneinander entfernt denn je. Während er sich selbst aufgibt, kämpft Mercedes um ihre Hoffnung bis Mondegos Lügen sie zerstören.

Besondere Erwähnung sollten die drei zentralen Freunde des Edmond Dantes finden. Der erste ist Ferdinand Mondego, der falsche Freund, der kalt lächelnd zusieht, wie Edmond ins Unglück stürzt. Martin Berger gibt diesem vielschichtigen Charakter, der weitab von der berechenbaren Boshaftigkeit eines Danglar an seinen eigenen Gefühlen zerbricht, Tiefe und Glaubwürdigkeit. Intrigant und mafiös wirkt dieser Mondego eher tragisch als böse, da er trotz all seiner Mühen niemals die Liebe von Mercedes gewinnen kann. Unbedingt aufpassen: das stimmliche Zitat des Schauspielers auf Marlon Brandos Paten!

Die Rolle des väterlichen Freundes Abbé Faria spielt Dennis Kozeluh und er tut dies mit einer bestechenden Frische und einem Hauch Skurrilität. Erst mit diesem Freund wird Edmond wieder zu einem Menschen und er verändert sich für immer. Faria dient im Rahmen der Handlung gleichermaßen als Klimax von Edmonds Elend und Grundstein seiner Wiedergeburt. Für mich war dieser durchweg unterhaltsame Abbé einer der beiden außergewöhnlichsten Charaktere des Abends.

Der dritte Freund Edmonds ist Jacopo und er steht in meinen Augen für Treue und Loyalität. Vor dem Hintergrund von Edmonds wunderbarer Errettung durch die Piratinnen um Luisa Vampa (dank der erfrischenden Kathleen Bauer der zweite herausragende Nebencharakter des Stückes, wie eine Mischung aus Pippi Langstrumpf und Jack Sparrow zeigt sie anarchistische, skurrile und auch burschikose Züge) entsteht seine Vertrautheit mit dem mitfühlend von Katharina Lochmann dargestellten Jacopo , der mit Sorge Edmonds Veränderungen zum Racheengel beobachtet und hinterfragt. Gerade Jacopo ist Teil einer wirklich eindrucksvollen Szene „Hölle auf Erden“ – wo Edmond hasszerfressen Rache schwört. Hier wird er endgültig zum Grafen von Monte Christo, nachdem ihm Jacopo nur zögernd die Nachricht vom Aufstieg der Feinde überbringt. Die Video-Referenz zeigt auf dem Bildschirm die zechenden und feiernden Verschwörer in einer „Sauna-Szenerie“ in Bildern wie aus einem Fiebertraum, Sinnbild des Wahnsinns, zu dem uns Hassgefühle treiben können.

Jeder der drei Freunde bewirkt eine grundlegende Veränderung in Edmond. Der sich im Verlauf von Edmond Dantes zum namenlosen Gefangenen, vom Gefangenen in den Grafen von Monte Christo und am Ende wieder in Edmond Dantes verwandelt. Die charakterliche Entwicklung folgt damit dem Prinzip der antiken Heldenreise und dies wird konsequent auf die Bühne gebracht. Umso stärker ist die Wirkung dank der ausgefeilten Beleuchtungstechnik. In der finalen Transformation des Grafen wirkt er zunächst in seinem kreisrunden Spot isoliert vor einem kaltblauen Hintergrund, bis der Lichtkegel wächst und er mehr und mehr seiner Vergangenheit und seiner Negativität entkommt.

Fotograf: Gerhard Meißner

Veröffentlicht unter Allgemein | Comments

Der Graf von Monte Christo – Matinée

„Verraten tu ich nix!“ sagt Walter Lochman zu Beginn der Matinée der Frankenfestspiele am Sonntag, den 22.08., als er den „Grafen von Monte Christo“ vorstellt. Sogar mehrmals. Aber ein bisschen hat er dann doch verraten. Nur nicht zuviel, denn er wollte ja die Spannung nicht verderben.

Die Matinées der Frankenfestspiele sind noch immer ein Geheimtipp. Daher ist es selbstverständlich, dass ich eine ebensolche Veranstaltung zur Einführung des Wildhorn-Musicals „Der Graf von Monte Christo“ besuche. Wie schon im letztjährigen „Dracula“ zeigt sich das kreative Intendantenteam Sascha Oliver Bauer (Schauspiel) und Walter Lochmann (Musik) dafür verantwortlich. Nach einer kurzen Begrüßung durch Bürgermeister Martin Umscheid führt Walter Lochmann durch das einstündige Programm.

Dass er dabei genau wie im Vorjahr die Facetten seines Könnens als Musiker und Entertainer zeigt, macht die Matinée zu einem echten Erlebnis. Denn Lochmann nimmt das Publikum von Anfang an mit, getreu seinem Motto „miteinander ist Alles.“ Wer sonst kann das Publikum dazu ermutigen – noch dazu sehr erfolgreich – dass es den Monte-Christo-Refrain „Fiat Justizia“ (Gerechtigkeit möge walten) anstimmt? So wird das Publikum zum Chor.

Nach einer kurzen Einführung in die berühmte Geschichte von Alexandre Dumas – die nicht weniger behandelt als den gravierenden Unterschied zwischen Recht und Gerechtigkeit – werden die drei Erzschurken des Stückes vorgestellt: Danglars, Villefort, Mondego. Respektive in diesen Rollen die Herren Max Buchleitner (der Anton Graner vertritt, der leider verhindert ist), Dennis Kozeluh und Martin Berger. Ihre Intrige wird stimmlich in Szene gesetzt mit dem Lied „Geschichte“, welches das tückische Vorhaben der drei gegen den arglosen Edmond Dantes verrät. Finster klingt das und gemein. Genau, wie es sein soll.

„Hast du was gehört?“ fragt Mercedes den verräterischen Mondego im nächsten Stück. Dabei zeigen Martin Berger und Ann Mandrella eindrucksvoll ihr Können. Berger zeigt die Zweifel des Schurken nicht nur, er personifiziert sie, macht sie greifbar. Ihm gegenüber leidet Mandrella als Mercedes, weil sie nur an ihren verlorenen Geliebten denken kann. Das ist so wunderschön, umso mehr, weil die in Frankreich geborene Sängerin es in ihrem Solo „All die Zeit“ fortsetzen kann. Das klingt so herrlich verloren, dass es zu recht begeisterten Beifall dafür gibt.

Wie viel eindrucksvoller muss das noch sein, mit Kostümen, Kulisse, Orchester und Beleuchtung? Wir werden daran teilhaben können bei der Generalprobe und der am Donnerstag folgenden Premiere. Die Chemie dafür stimmt, die Vorbereitung läuft auf Hochtouren. Grund genug, all den Menschen hinter der Bühne zu danken.

Wild und auch emanzipiert geht es weiter mit Kathleen Bauer als Luisa Vampa und ihren Mitstreiterinnen Katharina Lochmann und Johanna Kräuter. Gut gelaunt und stimmgewaltig intonieren sie „Piraten“ und demonstrieren geballte Frauenpower. Gemeinsam mit Frederike Faust, der „Frau vor Ort“, ist Bauer ebenfalls verantwortlich für die Laiendarsteller und –sänger des e-Ensembles und des e-Chors, die seit März für ihre Auftritte proben.

Und dann kommt der Graf von Monte Christo, dargestellt von Yngve Gasoy Romdal. Er beschwört melodiös die „Hölle auf Erden“. Jede Geste, jeder Blick offenbart den Verlust des Edmond Dantes, welcher ihn zum rachsüchtigen Grafen macht. Sein Schmerz wird in jeder Silbe und jedem Ton hörbar. Romdal ist ein sympathischer Norweger aus einem kleinen Dorf an der Westküste Norwegens, wo nach eigenen Angaben 100 Menschen und 500 Kühe leben. Seine eindrucksvolle Vita umfasst Rollen in Jekyll und Hyde, Camelot, die Schöne und das Biest, Les Miserables, Chess und auch MacBeth.

„Wie mich die Welt umarmt“ singen Mandrella und Romdal zu den Mittagsglocken von Röttingen und offenbaren eine besondere Harmonie ihrer Stimmen. Damit öffnen sie das Publikum für die Emotionen ihrer Charaktere. So geht auch diese Matinée zu Ende und der Besuch hat sich wieder einmal gelohnt.

Das Warten auf die Premiere jedoch fällt nun noch ein bisschen schwerer.

 

Veröffentlicht unter Allgemein | Comments